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Viele
Berliner Schulen sind bereits inspiziert worden und viele Schulen werden
in den nächsten beiden Jahren noch hinzu kommen. Schulen mit guten
Ergebnissen freuen sich, Schulen mit weniger guten Ergebnissen sind oft
verunsichert, fühlen sich manchmal ungerecht bewertet. Was fast immer
bleibt, ist die Kritik an Methodik und Aussagekraft der Inspektion. Der
Senat hat reagiert und konstruktive Kritik in eine Modifikation der
Inspektionsmethodik einfließen lassen. Führt diese Modifikation zu mehr
Gerechtigkeit und einer Verbesserung von Schule? Auf Grund der vorhandenen
Problematiken und Unsicherheiten bezüglich des Themas „Schulinspektion"
hat der vds Berlin am 29. April 2009 eine Frühjahresveranstaltung zum
Thema „Schulinspektion im Fokus- Anregungen zur Weiterentwicklung der
Inspektion von Schule in Berlin" an der Carl-von-Linné- Schule für
Körperbehinderte in Berlin/Lichtenberg durchgeführt. Um eine spannende,
lehrreiche und vor allem konstruktiv weiterbringende Veranstaltung
durchzuführen, wurden durch den vds Berlin Experten auf dem Gebiet der
Schulinspektion für Vorträge und Gespräche eingeladen.
Die
Begrüßung wurde durch Herrn Heuel als derzeitiger Landesvorsitzender des
vds, durch die Schulleiterin der Carl-von-Linné-Schule Frau Kast-Rützel
sowie durch Herrn Friede von der Senatsverwaltung (Leiter der Abteilung
Schulinspektion) vorgenommen.
Als
erste Referentin konnte der vds Frau Prof. Husfeldt (Prof. für schulische
Leistungsmessung) gewinnen, die ein Grundsatzreferat zum Thema
Schulleistungsmessung hielt. Sie sprach über „Leistung", die
bewertet werden soll. Wobei sich auch hier die Frage stellte, ob mit
Leistung der Lernzuwachs der Schüler gefragt ist oder ob es um die
Leistung der Schule geht, ihre spezifischen Ziele zu erreichen (Ziele die
bspw. dem Schulprofil entsprechen)? Welche Standards für Schulleistung
gibt es und können Standards für alle gleich sein? Anhand
unterschiedlichster Schulprofile wird deutlich, dass Standards nicht
gleich sein können. Im Grunde können nur Messverfahren gleich sein,
Bewertungsverfahren jedoch nicht. Bewertungen orientieren sich an
Standards, Standards sind aber nicht allgemein standardisierbar.
Frau
Prof. Husfeldt sprach auch darüber, dass Evaluation zur Überprüfung von
Schulleistung zur Förderung und Unterstützung der Lernenden, Lehrenden,
der Schulleitung sowie zur Schul- und Unterrichtsentwicklung da sein
sollte. Damit dies aber Ziele der Evaluation sein können, muss
Lernentwicklung bei einer Inspektion mit erfasst werden und
Kontextvariablen (Umfeld, Klientel, andere Unterstützungsmaßnahmen)
berücksichtigt werden. Wenn Schulinspektion/ Evaluation
Qualitätsentwicklung fördern will, muss sie detaillierte Ergebnisse zu
spezifischen Zielen liefern und professionelle Unterstützung bei der
Interpretation der Daten anbieten, da Qualitätsentwicklung nicht eben
nebenbei möglich ist.
Nach
Beantwortung der aus dem Publikum gestellten Fragen sprach Dr. Seydel aus
Bremen, der dort einen eigenen Weg mit der Schulinspektion gegangen ist.
Dr. Seydel berichtete über die Durchführung der Bremer Schulinspektion.
Er
sprach darüber, dass der Standardablauf in 16 Bundesländervarianten
vorliegt und niemals beim einheitlichen „TÜV" überprüft wurde.
Die Voraussetzung des Gelingens von Evaluation ist laut Aussagen von Dr.
Seydel die Akzeptanz der Evaluation.
Wie kann es nun gelingen, dass externe Evaluation als Chance genommen wird
? Dr. Seydel berichtet aus Bremen, dass am Ende der Evaluation dort keine
Bewertung steht, sondern auf Wunsch konkrete Verbesserungsvorschläge
gemacht werden. Er hat für Berlin Fragen aufgeworfen: Warum verzichtet
Berlin auf die Chance Tipps zu geben und welche personellen und
finanziellen Ressourcen sind in Berlin da, damit Evaluation wirkungsvoll
werden kann? Gibt es in Berlin eine Evaluation der Schulaufsichten?
Einen
Nutzen hat Evaluation dann- so Dr. Seydel- wenn Schule sich auf die
Sichtweise des „Besuchers" einstellt, denn ein unabhängiger Blick
muss extern besetzt werden. Eine externe Evaluation für Schule ist
notwendig, weil sie hohe Qualitätsansprüche hat und Schule so auch
öffentlich wird.
Das
dritte Referat zum Themenbereich hielt Herr Lanker aus der Schweiz, der
über Gefahren und Chancen der Schulinspektion sprach. Herr Lanker
plädierte in seinem Vortrag für Seminare für Schulleitungen, für
schulinterne Fortbildungen und Installationen zur schulischen Evaluation,
wobei die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität das am stärksten
favorisierte Thema sein sollte. Wichtig laut Herrn Lanker ist es ebenso,
dass die Inspektion der Schulinspektion vorgenommen wird. Der Vorteil der
Transversalität ist es, dass Inspektion aus eigenen
Evaluationserfahrungen anderen (also Schulen) nichts „Unmögliches"
zumutet. Die Berliner Schulinspektion hat sich extern evaluieren lassen.
Herr
Lanker plädiert weiterhin dafür, dass es eine Balance zwischen Aufwand
und Ertrag im Bereich der Schulinspektion geben muss sowie eine
Blickwinkelveränderung vom „Feind" zum „Freund" in Bezug
auf Schulinspektion, da ein langfristiges Ziel eine Kultur sein sollte,
die gute Leistungen vollbringen will. Das hierarchische System von
Schulinspektion muss zum Zusammenspiel von interner und externer
Evaluation werden, wo am Ende ein Gespräch über Selbst- und
Fremdwahrnehmung mit Zielvereinbarungen und Entwicklungsmöglichkeiten
steht. Auch er sieht eine Problematik darin, mit standardisiertem
Verfahren unterschiedliche Schulen in Berlin zu vergleichen. Den „guten"
Unterricht gibt es für ihn nicht, sondern vielfältige Unterrichtsmodelle
und –methoden, die je nach Schulsituation notwendig sind.
An
der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen die drei Referenten sowie
Frau Horndasch (Schulleiterin der Finkenkrug- Schule), Herr Friede von der
Senatsverwaltung und als vds Vertreter Herr Heuel teil, der das Gespräch
moderierte.
Frau
Horndasch berichtete als Erste von der Schulinspektion ihrer Schule. Die
Vorbereitung ist für die Schule/ Schulleitung natürlich mit Mehrarbeit
verbunden (Listen etc.) und auch der Gedanke an eine Beurteilung von „Fremden"-
mit standardisierten Verfahren im Bereich des Förderschwerpunktes „Geistige
Entwicklung"- beschäftigt die Schule im Vorfeld sehr- so Frau
Horndasch. Das Team der Schulinspektion war sehr freundlich und auch
jemand aus dem Sonderschulbereich gehörte bei der Schulinspektion zum
Evaluationsteam. Das innovative Kollegium an ihrer Schule hat die externe
Evaluation also auch als Chance für eine Weiterentwicklung gesehen, so
dass im Anschluss auch bestimmte Schulaspekte überdacht wurden. Auf die
Frage von Herrn Heuel, welche Tipps Frau Horndasch der Schulinspektion in
Bezug auf die Evaluation der Sonderschulen geben könnte, antwortete sie,
dass im Team der Schulinspektion bei Sonderpädagogischen Förderzentren
ein Sonderpädagoge sein sollte, da die sonderpädagogische Sichtweise
doch spezifisch ist und somit bessere Erklärungs- und
Verstehensmöglichkeiten bestehen.
Herr
Friede berichtete anschließend über Veränderungen/ Versuche innerhalb
der Berliner Schulinspektion- wie einen „Strategietag" an dem
Einzelbewertungen ins Verhältnis gesetzt werden; davon, dass 2
Inspektionen unabhängig voneinander Unterrichtsbögen auswerten; von „Schattenteams"
an einer Schule mit dem Hintergrund, dass es Menschen sind, die sich auf
Schule einlassen und beobachten, was vergleichbar ist.
Dr.
Seydel fragte Herrn Friede darauf hin, ob das Ziel angemessen sei, dass
Inspektoren „gleich" bewerten und darin geschult werden? Herr
Friede reagierte auf die Frage mit der Antwort, dass es bei Veränderungen
darum geht, das Vertrauen der Schulen zu gewinnen- unabhängig von
Personen der Inspektionsgruppe- und dass es um das Verstehen der Standards
geht, d.h. Einigung und Sicherheit, wenn es um bestimmte
Beobachtungsaspekte geht. Natürlich –so Herr Friede- geht es auch in
Berlin um anschließende Beratung für Schule, um Veränderungen
einzuleiten. Diese wird dann durch andere Institutionen erteilt.
Herr
Lanker geht in der Podiumsdiskussion noch mal auf das Thema des „guten
Unterrichts" und damit darauf ein, dass Ansichten sich dabei immer
unterscheiden werden. Er fragt danach, ob die „Betroffenen" eine
Rückmeldung erhalten und nicht nur die Schule im Allgemeinen. Herr Friede
berichtet über den Ansatz der Berliner Schulinspektion, der nicht
Beratung, sonder die „ statistische" Auswertung von Unterricht
während der 2 Tage Schulinspektion ist. Der Schulbericht wird der Schule
dann auch dementsprechend vorgestellt, sagt Herr Friede. Natürlich räumt
er ein, dass es hier Entwicklungsbedarf gibt.
Frau
Potthof als Kollegin der Senatsverwaltung berichtet davon, dass die
Berliner Schulinspektion auch ein noch „junges" Unternehmen ist,
welches sich in der Entwicklung befindet und dass Planungen bestehen, die
„Schule" mit in die Evaluation einzubinden.
Frau
Prof. Husfeldt plädiert dafür, da auch Lehrer lernen müssen,
Evaluationsberichte zu lesen und dann damit umzugehen.
Eine
Vertreterin aus dem Grundschulbereich geht darauf ein, dass Bildung und
Betreuung unmittelbar zusammen hängen, wenn man an die Zunahmen der
verlässlichen Halbtagsgrundschulen und Ganztagsschulen denkt und fragt
nach der Evaluation der Betreuungsarbeit. Herr Friede berichtet über
momentan zusätzliche Interviews, die mit Erzieherinnen und dem sonstigen
pädagogischen Personal geführt werden. Die Qualität der
außerschulischen Arbeit kann zum momentanen Zeitpunkt noch nicht so
evaluiert werden, da Qualitätsmerkmale und Messinstrumente erst noch
entwickelt werden müssen.
Eine
Kollegin aus dem Bereich der Schulaufsicht richtet ihre Frage an Dr.
Seydel und möchte wissen, welche „weichen" Daten in Bremen erhoben
werden und welche Daten in „Zahlen" festgehalten werden? Herr Dr.
Seydel gibt darüber Auskunft, dass es auch in Bremen eine Unmenge von „harten"
Daten gibt, aber Unterrichtssituationen beschrieben werden und diese nicht
gezählt werden. Außerdem geht im Vorfeld der Inspektion die Frage an die
Schule, auf welche Aspekte die Schulinspektion besonders eingehen soll.
Selbstverständlich ist auch im Bremer Team eine Person dabei, die „Feldkenntnis"
hat.
Wichtig
ist auch aus seiner Sicht, dass ein Institutionenkreis bestehend aus
Schulaufsicht, Schulentwicklungsinstitut und Lisum bei der
Weiterentwicklung der Schulevaluation zusammen arbeitet.
Es
gibt viele Fragen bezüglich der Auswertung der Daten nach der Evaluation.
Kann ich durch Daten eingeschliffenes Lehrerverhalten beispielsweise
ändern? Hilft Evaluation somit Veränderung herbeizuführen? Muss es für
die Berliner Schulen nicht
mehr Geld geben, damit Experten auf Grund der für die Schule erstellten
Daten ziel- und veränderungsorientiert durch Experten beraten werden
kann?
Frau
Prof. Husfeldt geht daraufhin noch einmal darauf ein, dass Aufgabe der
Schulevaluation nicht die Beratung sein kann, da diese Daten und Material
zu Diskussion liefert. Es ist dann ihrer Meinung nach Aufgabe der
Schulleitung, für eine weitere Bearbeitung des Materials im Schulbereich
zu sorgen.
Natürlich
bleiben am Ende einer solchen Veranstaltung viele Fragen offen, doch nur
in gemeinsamen Gesprächen mit Experten und Kollegen kann langfristige
Veränderung angebahnt werden.
Claudia
Schoeps
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